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  • AutorenbildEsther Schweizer

„Äääääh - ist eigentlich bald Weihnachten?"




„Äääääh - ist eigentlich bald Weihnachten?" "Ähm - ja, warum?"

...Zufällig aufgeschnappter Unterhaltungsfetzen; Hamburger U-Bahn U3- Ende November


Liebe Leserin, lieber Leser,


kürzlich stolperte ich über die folgende Bildunterschrift: 


„Wer häufig ,Äh‘ oder ,Ähm‘ sagt, gilt gemeinhin als unsicher, unseriös oder inkompetent. Doch ,Äh‘ und ,Ähm‘ sind besser als ihr Ruf“.


Diese These hat mich neugierig gemacht – insbesondere, da ich in meinen 1:1-Coachings immer Aussagen höre, die 1:1 dem folgendem Leserkommentar entsprechen:


»Das Interessante ist ja gerade auch, dass einem die eigenen ›ähms‹ fast gar nicht auffallen. Und die von Anderen nur, wenn Sie sehr häufig kommen, oder man gelangweilt ist vom Inhalt. Als ich mal Vorträge vorbereitet habe, und zur Verbesserung aufgezeichnet, ist mir ganz schlecht geworden von meinen ganzen ›ähms‹. Ich dachte, dass ich sie manchmal benutze, aber tatsächlich sehr sehr oft. Es war mir eine Lehre.(ZEIT Online / Füllwörter, Lesekommentar zehnhoch 28.4.21)«


Zugegeben: das eine „Äh“ oder andere „Ähm“ rutscht jedem mal in einem Gespräch heraus, davor ist eigentlich niemand gefeit. Es geht vielmehr darum, einer inflationären  Verwendung vorzubeugen, die dann früher oder später die Herrschaft über jede Konversation, jeden freien Vortrag oder Sprechbeitrag übernimmt. Daher lohnt sich meiner Erfahrung nach eine etwas nähere Beschäftigung mit dem Thema.  


Was hat es also mit den sogenannten Füll-Lauten, Verzögerungs-Lauten oder Diskurs-Partikeln auf sich? Wie schaffen Sie es, in Ihrer nächsten Rede (saisonaler Bezug: Weihnachts- oder Neujahrsansprache), Vortrag oder Präsentation wohlüberlegte und geplante Denkpausen einzubauen, aber Ähms und Ähs weitestgehend zu umschiffen?


„Selbst in schwierigen Situationen geht es immer voran. Berge bestehen vor allem im Kopf“ Rosie Swale Pope, britische Sportlerin, Autorin – 1946


Ähm und Äh – Füll- statt Sättigungsbeilage


In der mündlichen Kommunikation dienen Füllwörter dazu, gedankliche Sprechpausen, innere und äußere Irritationen zu überbrücken. Insbesondere immer dann, wenn wir während des Sprechens nach den richtigen Worten suchen, einen Gedanken neu ordnen oder wir uns innerlich wappnen. Ausgelöst durch Nebengeräusche, Zwischenbemerkungen und durch bohrende – auf uns gerichtete – Blicke. Zack: schon haben wir einen kleinen Fadenriss oder einen Blackout. Das dann heraus gerutschte  „Ähm“ passiert ganz schnell und/oder wird entsprechend etwas in die Länge gedehnt. Unwillkürlich, spontan und meist vollkommen unbewusst. Währenddessen wir im Gehirnkästelchen nach den richtigen Wörtern, einer besser nachvollziehbareren Satzstruktur suchen oder uns durch eine korrektere Grammatik wieder „auf Spur“ bringen (wollen).


Es soll sogar Menschen geben, die Diskurs-Partikel wohlüberlegt und dosiert verwenden. Wie die ganz gewieften Redner und Rednerinnen, die ihre „Ähms“ wie ein rhetorisches Stoppschild vor sich hertragen und damit der Zuhörerschaft signalisieren: „Hallo! Du bist noch nicht dran. Erst wenn ich zu Ende gesprochen habe.“ Hier spielen der Tonfall, Lautstärke und die Sprachmelodie eine große Rolle. 


Wie verhält es sich jedoch mit den höflichen Menschen unter uns? Ein „ Äh“ aus Höflichkeit? Oh ja! Zitat »(...)Hilfst du mir am Wochenende beim Umziehen? „Wenn man mit der Person später noch etwas zu tun haben möchte", sagt Kerstin Fischer, von der University of Southern Denmark, "antwortet man nicht einfach mit 'Nein!', sondern sagt: 'Umm, äh, ja, also, ich würde ja gerne, aber leider kann ich nicht (...)


"Es ist gefährlich, anderen etwas vorzumachen; denn es endet damit, dass man sich selbst etwas vormacht"Elenora Duse, Schauspielerin, 1858–1924


Wir hier im Norden haben auch so eine nette Füllwort-Angewohnheit. Manch einer sagt, es sei eine Untugend. Da halte ich mich als Hamburgerin mal diplomatisch raus. Das kurze „Nä“ am Ende des Satzes, ähnlich dem „oder?“ bzw. „nicht wahr?“. Klingt manchmal aber auch eher nach einem „Nee“.


Unsere Nachbarländer haben ebenfalls einige Pausenfüller in ihrem sprachlichen Repertoire. Egal ob regional oder international. Das „Wa“. Ob im Rheinland, Schleswig-Holstein oder in Bayern. Es gibt eine ganze Reihe von sinnentleerten Wortbegriffen. Ob nun als Pausenfüller oder Diskurs-Partikel benannt. Diese werden je nach Betonung, Sprache, Kultur und dem jeweiligen Kontext oder Rahmen verwendet. Die englische Sprache kennt z. B. die „Uh“ und „Um“.


Hier ein paar beliebte deutsche Diskurspartikel:


    • Äh

    • Ähm

    • Also

    • Tja

    • Ja

    • Echt

    • Genau

    • Alles gut

    • Korrekt …und, und.


Stöbern Sie gerne in meinem Artikel »Füllworter, Unwörter & Worthülsen« nach weiteren netten Beispielen.


Doch Vorsicht: Wir dürfen nicht gleich jedem Redner, jeder Sprecherin eine böse Absicht unterstellen, wenn diese sich des einem oder anderem Füllwort oder Pausenfüller bedienen.


Ganz pragmatisch betrachtet, ist unsere Sprache vielfältig und verträgt das eine oder andere sprachliche Element (auch aus rhetorischen Gründen), um etwas mehr „Raum und Luft“ für die Vermittlung von Informationen zu geben. Es wird ebenso als rhetorisches Stilelement verwendet, um unserem Gegenüber Grenzen zu setzen sowie uns und unserer Zuhörerschaft individuelle gedankliche Perspektivenwechsel zu ermöglichen.


Ein „Äh“ – ob es uns nun gefällt oder nicht – kann somit als eine Art gedankliche Zäsur verstanden werden. Damit sich nachfolgende Sachverhalte und Informationen nachhaltiger in der Zuhörerschaft „verankern“.


Letztendlich – seien Sie und ich ehrlich – baldowern wir ständig in unseren sozialen, beruflichen und/oder gesellschaftlichen Beziehungen die Möglichkeiten unseres Miteinander aus – hierzu eignet sich die kluge Verwendung von Sprache ausgezeichnet. Siehe: Kommunikativer Status. Doch das ist ein anderes Thema.


„Man verzählt sich stets, wenn man mit Angst und Hoffnung rechnet“

Francoise d’Aubigné, heimliche Ehefrau von Ludwig XIV, 1635–1719


Was nun tun, um die Anzahl der „Ähms“ und „Ääääs“ eleganter zu dosieren? Der erste Schritt besteht darin, es sich bewusst zu machen. Und zwar bevor sie mit ihrer Rede, Präsentation oder Vortrag zur Tat schreiten.


Bitte, bitte: Seien Sie gut zu sich und übertreiben es nicht gleich zu Beginn. Indem die eigene Selbstkontrolle und Beobachtung als „Maßregel-Instrument“ missbraucht wird.


Der zweite Schritt heißt „Üben“! Hier eine Auswahl an Tipps:


• Freude: Entwickeln Sie Freude am Sprechen 

• Selbstbewusstsein: Nicht klein machen. Haben Sie Geduld mit sich

• Humor: Kreativität und gute Laune sind prima Unterstützer

• Zuzuhören: Indem Sie sich selbst beim Sprechen zuhören

• Sprachaufnahmen: Sich beim Sprechen aufnehmen

• Feedback: Gezielt andere Menschen um Rückmeldung zu bitten

• Training: Logopädie, Sprechtraining

• Atmung: Atemschulung und Training

• Pausen: Eine persönliche „Pausen-Empfindung entwickeln und aushalten

• Vorbereitung: Bereiten Sie ihren Redebeitrag gut vor


Für welche Reihenfolge Sie sich entscheiden, obliegt allein Ihnen. Falls Sie jedoch verzweifeln sollten und nicht mehr weiter wissen: Ich unterstütze Sie herzlich gerne.


„Auch die Pause gehört zur Musik“

Stefan Zweig, Schriftsteller, 1881–1942


Weitere Gedankenspiele und Idee finden Sie in meinem Buch



Apropos: „Ääääääh – ist eigentlich bald Weihnachten?“ „Ähm – ja, warum?“


Aus naheliegendem saisonalem Anlass bin ich gerade dabei, noch ein paar Gabentische zu bestücken.

Als meine geschätzten Leserinnen und Leser sollen Sie natürlich auch nicht leer ausgehen, daher habe ich für Sie



Und wenn Ihnen gerade ALLES im Alltag zu viel ist, Ihnen der Kopf vor lauter Nachrichten, Doomscrolling, Offerten und Geschenken schwirrt, habe ich noch zwei Extraextra-Türchen für Sie:



"Ich weiß, was ich kann, und bin gut in dem, was ich mache. Ich freue mich über jede Unterstützung, der ich begegne. Genau das muss passieren!"

Mai Thi Nguyen-Kim, deutsche Chemikerin, Journalistin - 1987


Wunderbares Zitat! Prima Überleitung zu meiner neuen Präsenz im Internet SICHER WIRKEN. Passend zu den winterlichen Tagen habe ich mich für BUNTE Farben entschieden.


Neugierig? Was meinen Sie? Über Ihr Feedback, Anmerkungen freue ich mich. 

Die Fotos auf der neuen Webseite sind von der Fotografin Beata Lange.


Bevor mir jetzt der Kopf anfängt zu schwirren, verabschieden ich mich für dieses Jahr mit einem RIESEN-DANKESCHÖN! Warum? Ach, einfach dafür, dass Sie da sind.


Ich wünsche Ihnen eine erholsame, besinnliche und glückliche Advents- und Feiertagszeit. Trotz allem oder gerade deswegen. Bis bald im neuen Jahr 2024!


Herzlichst

Ihre Esther Schweizer


P.S. Anmerkung: Ich übernehme keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und dauerhafte Gültigkeit der genannten Querverweise und Internetadressen (Stand: Dezember 2023).


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